KTT Insight:

Ein anstehendes Umweltproblem und ein stabiles Regelwerk als Innovationsbasis für ein erfolgreiches start-up.

Die Firma OekoSolve im Portrait

Von der Marktidee zur Produktkompetenz

Mit dem wachsenden Bewusstsein für Feinstaub gerieten Anfang der Nullerjahre auch Kleinfeuerungen von Biomasse, also Cheminées und Holzöfen, ins Blickfeld der Luftreinhaltung.

Roland Rebsamen – damals Dozent an der Interstaatlichen Hochschule für Technik (NTB) in Buchs – hatte deshalb die Idee, einen Nachrüstsatz zur Feinstaubabscheidung, der auf jeden Hauskamin passt, auf den Markt zu bringen. Damit war eine standardisierte, einfache Schnittstelle gefunden, die eine rasche Marktdurchdringung und entsprechende Stückzahlen erlauben sollte. Mit seiner einleuchtenden Idee gewannen Roland Rebsamen und zwei Partner beim Businessplan Wettbewerb «Plan It» den finanziellen Spielraum für den Start und gründeten im Jahr 2007 OekoSolve. Zwei Ingenieure entwickelten aus der Idee ein Produkt, den OekoTube, welches 2008 auf den Markt gebracht werden konnte.

Mit dem Redesign im Jahr 2010 entstand die patentierte Federstahlelektrode. Ein typisches Beispiel für den Innovationsansatz von OekoSolve. Sie beschleunigt wesentlich die Montage und Instandhaltung des Filters und erlaubt gleichzeitig dem Kaminfeger ungehindert zu arbeiten. Untersuchungen durch die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) bestätigten, dass die Elektrode auch beste Entstaubungsleistungen bringt.

Leider stellte sich heraus, dass der Markt für Filternachrüstungen bei Kleinfeuerungen (Einfamilienhäuser) aufgrund fehlender Gesetzeslage nicht soweit war. Immerhin, die Gründer hatten einiges gelernt, ein Netzwerk in der Branche aufgebaut und ihren unternehmerischen Elan bewiesen. So konnte OekoSolve einem deutschen Partner die Steuerung für seinen Staubabscheider im grösseren Leistungsbereich liefern und generierte damit Umsatz. Zudem nahm man den Vertrieb dieses Abscheiders in der Schweiz in die Hand und kam so in Kontakt mit Kunden grösserer Anlagen. Das leidenschaftliche Tüftlerteam, das mittlerweile auf sechs Leute angewachsen war, merkte bald, wo Produktverbesserungen möglich waren. In einer eigenen Produktentwicklung wurden diese Verbesserungen für das entsprechende Leistungssegment umgesetzt. Mit dieser Entwicklung begann OekoSolve auch selbst zu fertigen. Durch seine beständige Innovationstätigkeit erwarb das Unternehmen Schritt für Schritt umfassende Kompetenzen in allen Belangen eines elektro­statischen Feinstaubfilters. Heute treibt es seine Produkte elektrotechnisch, regelungstech­nisch und mechanisch voran.

Hochschulzusammenarbeit im Zentrum der Innovationskultur

Ein neuer Werkstoff, eine neue Fertigungstechnologie, eine konstruktive Änderung – all das und manches mehr kann vielversprechende Marktchancen eröffnen aber auch erhebliche Entwicklungs- und Produktrisiken bergen. Steht ein KMU vor der Frage «Marketingchampagne oder Innovationsprojekt?» kann die Möglichkeit, das Innovationsrisiko durch externe Unterstützung abzufedern, das Zünglein an der Waage sein. OekoSolve hat daher die Zusammenarbeit mit Hochschulen als eine solche Abfederung fest in seiner Innovationskultur verankert. Das Unternehmen mit seiner Marktnähe und seinen Ideen bietet den Hochschulen mit ihren Studenten den Bezug zur Praxis sowie relevante Aufgabenstellungen. Die Hochschulen bieten OekoSolve den Zugang zu neuen Technologien, aufwendigen Computersimulationen, ausgefeilten Messinstrumente und auch zu hochqualifiziertem Nachwuchs. Die Zusammenarbeit wird durch die Schweizerische Innovationsagentur «Innosuisse» (vormals KTI) institutionell und finanziell unterstützt. Auch wenn damit einiger administrativer Aufwand verbunden ist, erleichtert der standardisierte Innosuisse-Ablauf doch den Einstieg in eine neue Kooperation. Trotzdem muss sich die Zusammenarbeit schrittweise aufbauen, bis OekoSolve das Potenzial eines Hochschulpartners richtig einschätzen und nutzen kann.

Im Beispiel des SCCER BIOSWEET-Partners «FHNW» ergab sich die erste Zusammenarbeit über die an der FHNW angesiedelte Prüfstelle für Holzfeuerungen. Aus ersten Prüfaufträgen wurden später umfangreiche Innosuisse-Projekte. Die Forscher steuerten dabei nicht nur die wissenschaftlichen Grundlagen bei, sondern trugen auch zur Vermarktung der neuen Produkte bei, indem sie ihre Versuchsergebnisse auf Tagungen und in Fachzeitschriften veröffentlichten.

Andere Hochschulpartnerschaften entwickelten sich aus ersten Machbarkeitsstudien. Bei derartigen Projekten beauftragt OekoSolve eine Hochschule, die technische Machbarkeit einer neuen Idee oder eines Marktbedürfnisses abzuklären und Umsetzungsvorschläge zu erarbeiten. Für den Entwicklungsleiter, Beat Müller, sind solche Machbarkeitsstudien geradezu der Königsweg in eine neue Kooperation. Einerseits hält sich der finanzielle Aufwand im Rahmen andererseits hat der Partner grosse Freiheiten, sein Potenzial zu entfalten. Schliesslich hat Beat Müller bei einem Hochschulpartner keine Sorge, dass jener die neue Idee selbst auf den Markt bringen könnte.

Empfehlungen aus Unternehmersicht

Gefragt, wo Hochschulen und Innosuisse ihr Angebot noch verbessern können, hat Beat Müller für beide eine Anregung parat: Die Hochschulen sollten untereinander stärker zusammenarbeiten und ihre Kompetenzen mehr vernetzen. Am Anfang einer Idee ist es für den Unternehmer nicht immer einfach, festzustellen, zu wem er damit am besten geht. Hier wäre es nützlich, eine angesprochene Hochschule würde ihn auch einmal weiterverweisen oder selbst ein zweites Institut hinzuziehen. So kämen mehr Lösungsmöglichkeiten ins Spiel und gleichzeitig erhielte der Unternehmer eine Zweitmeinung zu seiner Fragestellung. Gerade für den Eintritt in eine neue Technologie sind die bisherigen Forschungspartner womöglich nicht am besten qualifiziert und die Suche nach den passenden Kompetenzen gestaltet sich dann schwierig. Auch von den Innosuissse-Instrumenten wünscht sich Beat Müller mehr Flexibilität. Die genaue Termin- und Kostenplanung erschwert ein Trial-and-Error-Vorgehen, wie es gerade in der Frühphase einer Innovation nötig ist. So könnte z.B. der Innovationsscheck die Möglichkeit vorsehen, in einem Projekt auf mehrere Hochschulinstitute zuzugreifen. Um Machbarkeitsstudien bis hin zu ersten Lösungsvorschlägen finanzieren zu können, sollte ausserdem der Maximalbetrag des Schecks (bei gleichem administrativen Aufwand!) von 15’000 auf 100’000 Franken angehoben werden.

Für die langfristige Zusammenarbeit mit einer Hochschule kommt es vor allem darauf an, dass der Forschungspartner seinen technologischen Vorsprung vor dem Industrieunternehmen aufrechterhält, so dass der Industriepartner davon profitieren kann. Ein wesentlicher Vorteil der Hochschulzusammenarbeit besteht für Beat Müller darin, dass die Institute nicht jede Hightech-Anschaffung unter dem Produktivitätsaspekt rechtfertigen müssen und so auch Anschaffungen tätigen, die insbesondere für ein KMU im Wettbewerb nicht möglich sind.

Die Innovationskultur in die Serienfertigung retten

Wachstum als Erfolg der Innovationskultur kann eben diese Kultur gefährden. OekoSolve steuert mittlerweile auf 40 Mitarbeiter zu und fertigt seine gängigsten Produkte nicht mehr einzeln, sondern in (Klein-)Serien. Das zieht Veränderungen vom Materialeinkauf bis zur Personalstruktur nach sich, die nicht ohne weiteres mit der bestehenden, fast hierarchiefreien, auf Mitdenken und Beteiligung ausgelegten – eben innovationsförderlichen – Unternehmenskultur zusammenpassen. In der Hauptverantwortung sieht Beat Müller hier das sechsköpfige Kernteam aus den Anfangsjahren. Diese Ingenieure leiten heute die Kernkompetenzen Entwicklung, Konstruktion, Verkauf und Service des Unternehmens. Alle sechs sind aber nach wie vor auf demselben Stand, jeder kennt das gesamte Portfolio ebenso wie die Kundenbedürfnisse bis ins technische Detail. Alle sechs halten Kontakt zu Schraubenschlüssel und Schweissbrenner und beherrschen die ganze Wertschöpfungskette.

Die Herausforderung wird aber sein, einige Früchte der letzten Jahre auszusortieren, um das Portfolio immer wieder zu bereinigen. Nicht alles, was einmal entstanden ist – und weiterhin entstehen soll –, lässt sich mit einer professionalisierten Produktionsabteilung am Leben erhalten. «Produktionsleute ticken anders», meint Beat Müller. Sie brauchen planbare Stückzahlen und Auslastungen. Sie können nicht beliebig mit Umkonstruktionen, Einzelfalllösungen und Knobelaufgaben beaufschlagt werden. Um die Zukunft von OekoSolve braucht einem trotzdem nicht bange zu sein. Denn Teil der Innovationskultur ist es auch, sich selbst immer wieder in Frage zu stellen, dafür Anregungen von aussen einzuholen und sie adäquat umzusetzen.

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