Könnten Sie Ihre Herkunft und Ihren beruflichen Werdegang beschreiben?

Ich bin in einem bäuerlichen Umfeld aufgewachsen und habe eine Lehre als Landmaschinenmechaniker gemacht. Im Alter von 23 Jahren habe ich meine eigene Firma « Andreas Mehli Landmaschinen » gegründet, die nun seit 27 Jahren mit 35 Mitarbeitern im Landmaschinenhandel tätig ist.

Vor rund 5 Jahren kam mein heutiger Partner Ignaz Canova auf mich zu. Durch Ihn erfuhr ich, dass die Axpo Tegra, die Strom aus Holz produziert, das Problem hatte, die mitproduzierte Wärme nicht loszuwerden. Meine Firma war deshalb daran interessiert, deren Restwärme zur Trocknung von Biomasse vor Ort zu nutzen. Wir suchten deshalb im Markt geeignete Technologielösungen. Wir informierten uns über verschiedene Optionen, dadurch stiessen wir auf HTC (Hydrothermale Karbonisierung). Das war dann eigentlich gar nicht mehr für die Wärmenutzung der Tegra, aber wir waren von Anfang an überzeugt von dieser Technologie.

Hier begann alles für die GRegio Energie AG, die am 30. Juli 2017 in Partnerschaft mit Laila Mehli und Ignaz Canova gegründet wurde. Zweck der GRegio ist die Planung und Durchführung von Projekten im Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Biomasse und Energie-/Düngerproduktion. Das Portfolio von Gregio umfasst den Bau und die Wartung von HTC-Karbonisierungsanlagen, Vergasungsanlagen, Kompaktbiogasanlagen, Trennungs- und Düngemittelproduktionsanlagen sowie die dazugehörige Peripherie.

Ich und meine Kollegen haben keine langen Studien besucht, sondern einfach alles selbst gelernt. Wir sind der festen Überzeugung, dass man heute wertvolle Informationen aus vielen verschiedenen verfügbaren Quellen erhalten kann. Wir haben unser Know-how entwickelt, indem wir uns Technologien angeschaut und Unternehmen und Anlagen besucht haben.

                     AHT Doopelfeuervergaser

Was ist so faszinierend an der Energiewende und was sind Ihrer Meinung nach die grössten Herausforderungen der Energiewende?

Ich glaube, dass die Energiewende viele Möglichkeiten bietet, da es noch so viel zu tun gibt. Aber es wird Zeit brauchen! Es stellt sich heraus, dass auch grosse Unternehmen die Chancen nutzen, um in diesem Bereich voranzukommen, was zur Beschleunigung des Übergangs beiträgt. Allerdings können von der Politik falsche Entscheidungen getroffen werden, wie die 2004 in Deutschland eingeleitete Energiewende beispielhaft zeigt. Es ist wichtig, dass die richtigen politischen Entscheidungen getroffen werden, um die effizientesten und wirtschaftlich tragfähigsten Technologien zu fördern.

Was hat Sie motiviert, sich im Bereich der Bioenergie zu engagieren?

Als Kind auf dem Bauernhof habe ich immer mit der Natur und dann auch bei der Arbeit mit Landmaschinen gearbeitet. Vor fünf Jahren habe ich erkannt, dass Bioenergie ein wachsender Wirtschaftssektor ist, der wesentlich zum Klima- und Naturschutz beitragen kann. Ich fühlte, dass meine technische Erfahrung und ein gewisses Know-how auf dem Gebiet der Biomasse relevant waren, um neue Chancen im Bioenergie-Sektor zu ergreifen.

Können Sie mir mehr über den HTC-Innovationscampus erzählen, wie er entstanden ist und wie er sich entwickeln wird? Welches sind die Erfolgskriterien, die sich Ihr Unternehmen über einen Zeitraum von ein, fünf und zehn Jahren gesetzt hat?

Der HTC-Innovationscampus ist seit 2017 der Hauptsitz von GRegio Energie. Vor Ort gibt es mehrere Technologien: Das Hauptprodukt aus dem HTC-Prozess ist Biokohle, die zur Energieerzeugung eingesetzt wird. Wir haben dazu passende Vergasungssysteme. Auch das « Schwarzwasser » aus dem HTC-Prozess kann genutzt werden, wofür wir mit FlexBio zusammenarbeiten, die Festbettfermenter kommerzialisiert. Festbettfermenter können auch in Brauereien, Käsereien usw. eingesetzt werden. Wir haben zusammen mit Flexbio nun eine Kompakt-Hofbiogasalage für Landwirte entwickelt, die jetzt bei uns im Campus in Betrieb ist.Dies geht über Bioenergie und HTC hinaus, denn unser Ziel ist es, mit Unterstützung des Bundesamtes für Energie und zweier Universitäten (1 Universität und 1 Fachhochschule) drei verschiedene Technologien auf dem HTC-Campus betreiben zu können: Kohle, Holzgas und Biogas. Der HTC-Innovations-Campus dient einerseits der Durchführung von Versuchen und Demonstrationen, es sind aber auch Anlagen in Dauerbetrieb. Anlagen, die in grösserem Umfang betrieben werden, werden an anderen Standorten errichtet: So werden bald die ersten HTC-Anlagen und auch eine 600 KW/e-Holzgasanlage mit Holzpelletproduktion installiert. Dazu auch die erste Flexbio-Hofbiogasnlage auf dem benachbarten Kuhrerhof in einem Klimafarming-Projekt.

                                                                                  HTC Anlage Chur

Welches Alleinstellungsmerkmal bietet GRegio seinen Kunden?

Unsere Stärke ist, dass wir unsere Kunden und ihre Bedürfnisse kennen, wir kennen die lokalen Behörden, die lokale Umwelt und die Funktionsweise der Anlagen unserer Kunde. Daher sind wir in der Lage, Lösungen zu entwickeln, die perfekt auf unsere Kunden abgestimmt sind. Ausserdem verfügen wir über ein großes Wissen im Anlagenbau, was uns als kleines Unternehmen den Vorteil gibt, schnell zu reagieren, sehr flexibel und anpassungsfähig zu sein.

Bis vor kurzem war das Unternehmen sehr lokal ausgerichtet, aber das Ziel ist es, zu wachsen und unsere geografische Reichweite in Zukunft zu erweitern (z.B. Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich). Das Ziel ist es, in naher Zukunft ein bis zwei HTC-Anlagen in Dauerbetrieb zu nehmen, die in der Lage sein sollten, im Realmassstab und in Serie zu arbeiten. Dies wird zur raschen Entwicklung der Märkte beitragen. Um das Wachstum zu sichern, müssen wir möglicherweise unsere Technologien lizenzieren und Partnerschaften mit lokalen Akteuren eingehen.

Der Markt für Biogas wächst auch in der Schweiz, was wir für unseren Partner Flexbio (Lieferant für uns) beobachtet haben. Wir haben auch unsere Aktivitäten in der Vergasung entwickelt in Partnerschaft mit einem Unternehmen in Finnland und Deutschland. Diese Aktivitäten im Bereich Biogas und Vergasung werden auf die Schweiz beschränkt bleiben.

Was sind Ihre Forschungsthemen und was ist Ihre Rolle bei SCCER BIOSWEET?

Wir haben mehrere laufende Kooperationsprojekte mit BIOSWEET-Mitgliedern. Zum Beispiel führen wir derzeit ein Pilot- und Demonstrationsprojekt zum Thema HTC mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) durch. Mit der ZHAW sind wir auch an einem Biogasprojekt (NETZ) beteiligt. Und schliesslich haben wir ein weiteres Forschungsprojekt zur Vergasung mit der FHNW, bei dem auch die HTC-Kohle eine Rolle spielt.

In den letzten Jahren haben wir uns einen guten Ruf erworben, weil wir sehr gut mit den Hochschulen zusammenarbeiten, was eine Win-Win-Situation schafft. Wir machen gute Fortschritte und fühlen uns von unseren akademischen Partnern sehr gut unterstützt.

Wo sehen Sie den Bioenergiesektor in 10 Jahren?

Ich glaube, HTC wird in Zukunft immer wichtiger werden, weil es ein einfacher Prozess ist. Wir müssen uns in Zukunft ernsthaft mit Technologien befassen, die es ermöglichen, Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entfernen und ihn in Energie umzuwandeln. Die Pflanzen holen durch die Photosynthese das CO2 kostenlos aus der Atmosphäre. Die HTC-Technologie ist in der Lage, innert wenigen Stunden die über die Rückabwicklung der Photosynthese den Kohlenstoff freizusetzen. Dies ist eine Riesenchance, dem Klimawandel ernsthaft die Stirn zu bieten.

Die Biomasse spielt auch eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Elektrizitätsnetzen, da sie es ermöglicht, Energie zu speichern und sie zu nutzen, wenn die Nachfrage es erfordert, im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien wie Sonne oder Wind (die intermittierend sind). Die Herstellung von HTC-Biokohle stellt nicht nur eine vorübergehende Kohlenstoffsenke dar, sondern ist auch vergleichbar mit einer natürlichen Batterie, die für den Fall eines Anstiegs der Stromnachfrage einsatzbereit ist. Darüber hinaus ist dies mit dezentralen Energiesystemen kompatibel, die weniger Wartung benötigen.

Wie entwickelt sich die Forschung im Bereich HTC in Europa und Amerika?

In diesem Bereich wird viel geforscht (vor allem an Universitäten), aber es gibt noch zu wenig kommerziell ausgereifte Anlagen. Dank der Unterstützung, die wir von BIOSWEET und seinen Mitgliedern erhielten, konnten wir beim Bau grösserer Anlagen gut vorankommen. Es ist auch wichtig, den Erfahrungs- und Wissensaustausch mit anderen Ländern und anderen Kontinenten über HTC, aber auch über alle anderen Themen im Zusammenhang mit der Energiewende zu verstärken. Der Wettbewerb zwischen verschiedenen Technologien und Teams ist ebenfalls wünschenswert, um den Übergang zu beschleunigen und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

                                                       Andreas Mehli

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