Erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Elektromobilität
Auf der Swiss Future Farm in Tänikon ist aktuell die Sonderausstellung «Erneubare Energie, Energieeffizienz und Elektromobilität» zu sehen. Die Ausstellung zeigt, was heute in der Landwirtschaft in diesem Bereich alles möglicht ist. Das SCCER BIOSWEET ist unter den Austellern und erklärt die Rolle der Bioenergie für die Landwirtschaft.

Originalartikel Swiss Future Farm/Florian Abt

Wie viele Kühe braucht ein Traktor?
Die Sonderschau der Swiss Future Farm in Tänikon zeigt eine Auswahl, was heute in der Landwirtschaft im Bereich erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Elektromobilität alles möglich ist. Es bietet sich ein breites Spektrum von Biogas über Solar bis hin zu Traktoren, die mit Methangas betrieben sind.

Dass Landwirte Energie produzieren ist keine neue Idee, mit den technischen Innovationen der vergangenen Jahre sind die Produktion und Nutzung erneuerbarer Energien aber noch attraktiver. «Die regionale Energiegewinnung ist wichtig und richtig. Denn so bleibt die Wertschöpfung in der Region», sagte Rainer Jahnke von der Abteilung Energie des Kantons Thurgau an einer Medienorientierung. Dabei nahm er Bezug auf das Thurgauer Energie-Förderprogramm, zum Beispiel zur Förderung von Elektrofahrzeugen, von Batteriespeichern für Solarstromanlagen und von Biogasanlagen. Beratungen zur Förderung und Realisierung von Biogasanlagen werden von der Energiefachstelle in Zusammenarbeit mit dem BBZ Arenenberg angeboten. Zu den anderen Themen des Förderprogramms geben die öffentlichen Energieberatungsstellen – im Kanton Thurgau «eteam – Ihre Energieberater» und im Kanton Schaffhausen die «Energiefachleute Schaffhausen» – detailliert Auskunft.

Als einer der schweizweit führenden Solaranlagen-Lieferanten wirkt die MBR Solar AG, Wängi. Anhand von Modellanlagen demonstrierte Andreas Sprenger die Solarstromproduktion beispielweise auf einem Hausdach oder Carport. Kombiniert mit einem Batterie-Speichersystem, um so das Elektroauto, das E-Bike, den E-Rasenmäher etc. aufzuladen. Die Aadorfer Heizungsfirma Heim, vertreten durch Joel Heggli, stellt die heimische Elektro- und Wärme-Energieproduktion erzeugt, mit einem Blockheizkraftwerk, vor. Gespeist wird das Blockheizkraftwerk mit regionalen Holzschnitzeln. Geeignet ist dieses System zur Beheizung von grösseren Gebäudekomplexen wie Überbauungen, Alterswohnheimen usw.

Massive Energieeinsparungen möglich
Einen grossen Stellenwert bei der Tänikoner Energie-Ausstellung wird der Einsparung von Energie eingeräumt: So wird anhand von Ausstellungsexponaten vorgerechnet, wie beispielweise mit neuen Ferkelnest-Boxen der Strombedarf gegenüber der herkömmlichen Wärmelampe um die Hälfte reduziert werden kann. Ein klares Zeichen dafür, dass sich ein Energiecheck auf dem Haus oder Betrieb bei Weitem lohnt. «Ergänzend dazu passen auch die Kombisysteme von vertikalen Klein-, Schwachwind- und Solaranlagen mit Speichermöglichkeiten», erklärte Hans Rüdlinger von der Firma Newgreentec. «Diese sichern vor allem bei abgelegenen Gebäuden eine autarke Stromproduktion.»

Von den Aktivtäten der Organisation «Schaffhauser Landenergie» berichtete Hanspeter Neukomm vor seiner selbstgebauten Kleinbiogasanlage. Neukomm baute schon vor 40 Jahre auf seinem Hof eine Biogasanlage und gilt dabei als Pionier. So auch in seinem Wohnort Thayngen, wo gleich drei Biogasanlagen stehen. Zwei davon beliefern ein grosses, privat aufgebautes Wärmenetz in Kooperation mit der Gemeinde und privaten Wärmabnehmern.

Landtechnik setzt auf verschiedene Energiequellen
Auf einem Landwirtschaftsbetrieb stehen zahlreiche Maschinen, die es anzutreiben gilt. Auch hier zeigt die Ausstellung verschiedene Lösungsansätze. «Kleine Geräte wie ein Hoflader oder eine Obstbauhebebühne funktionieren perfekt mit E-Mobilität. Bei einem Traktor, der einen Pflug durch den Acker zieht, sieht es schon anders aus», sagte Nicolas Helmstetter von GVS Agrar Landtechnik. Hier sind alternative Energiequellen wie zum Beispiel Methangas gefragt. Der Mist einer Milchkuh liefert pro Jahr 919 Kubikmeter Methan, damit kann beispielsweise ein 80 PS starker Traktor etwa 130 Stunden pro Jahr angetrieben werden. «Noch ist die Technik so nicht in grossen Serien im Einsatz, aber wir sind auf dem richtigen Weg», sagte Helmstetter.

Unterstützt wird der Landtechnikspezialist von Markus Zeifang vom Forschungskompetenzzentrum SCCER BIOSWEET, das 13 Schweizer Hochschulinstitute verbindet und vom Bund getragen wird. Als Beispiel stellt Zeifang zusammen mit der Firma Apex eine «Biomethan-Tankstelle für den Bauernhof» vor. Parallel dazu wird auf einen vorliegenden Prüfbericht einer landwirtschaftlichen Forschungsanstalt aus Bayern Bezug genommen. Dabei wird ein 80 PS VALTRA Traktor mit Biomethan Zündstahl Motor aus einer Kleinserie getestet. Das SCCER BIOSWEET sieht auf dem vielseitigen Betrieb Tänikon grosse Chancen, um mit Biogas sowohl Strom und Heizwärme aber auch Biomethan Treibstoff zu erzeugen.

Auch Martin Huber, Direktor vom BBZ Arenenberg, ist überzeugt: «Die Landwirtschaft kann noch weiter zu einem wichtigen Energiepartner werden – sowohl für den städtischen als auch für den ländlichen Raum. Packen wir die Chance auch auf dem Betrieb Tänikon.» Als Beispiel führte er die weitaus autarke Energieversorgung im neuen Gewächshaus am Arenenberg an. Ziel müsse es sein, dass für die Landwirtschaft aus der Energieerzeugung ein wichtiger Wirtschaftszweig entsteht.

Information zur Sonderaustellung
Die Sonderausstellung «Erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Elektromobilität in der Landwirtschaft» auf der Swiss Future Farm in Tänikon ist vom 8. bis 12. Juli täglich von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet. Um 14 Uhr und 15.30 Uhr finden jeweils offizielle Führungen statt. Parallel dazu ist auch das grosse Landtechnikmuseum «Agrotechnorama» geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos, inklusive Besuch des Agrotechnoramas. Für Führungen von Gruppen steht die Ausstellung bis in den Spätherbst offen. Anmeldungen nimmt gerne entgegen: bernhard.mueller@tg.ch

Medienspiegel

Bericht von TeleTop

Landbote 9.7.19_Ein Jahr Kuhmist ergibt 130 Stunden Traktorfahrt.pdf (1,7 MiB)

TZ 9.7.19_Im Kuhmist steckt grosses Energiepotenzial.pdf (1,2 MiB)

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