Vanessa Burg ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Sie untersucht das Potenzial von Biomasse für eine energetische Nutzung. Im Fokus ihrer Arbeit ist die nicht-verholzte Biomasse in der Schweiz, „dennoch ist es wichtig über den eigenen Tellerrand zu blicken um Zusammenhänge, mögliche Risiken oder innovative Lösungsansätze zu erkennen“, sagt sie.

Welche Ausbildung hast du und wie sieht deine wissenschaftliche Karriere aus?
Nach meinem Umweltingenieur-Studium an der ETH habe ich mehrere Jahre in einem renommierten Geologie und Ingenieurbüro im Bereich Modellierung gearbeitet. Auch war ich über ein Jahr bei der UN im Libanon tätig. Diese Erfahrung in der Privatwirtschaft und auf dem Terrain hat mich sehr bereichert. Insbesondere habe ich gelernt zielgerichtet zu arbeiten. In der Forschung besteht nämlich oft die Gefahr, dass man sich irgendwo verzettelt und das Verhältnis zwischen (mehr-)Aufwand und Ertrag aus den Augen verliert.

Was hat dich dazu bewegt Wissenschaftlerin zu werden?
Projekte auszuführen, ist etwas Schönes. Aber die Möglichkeit zu haben, das ganze System konzeptuell zu verstehen und zu erforschen, ist eine faszinierende Aufgabe die mir noch besser gefällt. Insbesondere die Möglichkeit zu haben einen kleinen Beitrag an der Energiewende zu leisten, ist sehr motivierend.

 

 

Was fasziniert dich an der Energiewende?
Die Energiebranche ist im Umschwung. Es passiert und entwickelt sich vieles. Es gibt viele Interessentengruppen, Innovationen, Chancen und Risiken. Man kennt das Ziel, aber der Weg dorthin ist noch ungewiss und offen.

Wo siehst du die erneuerbaren Energien in Zukunft und was für eine Rolle wird Biomasse spielen?
Klar ist, dass die Energiewende stattfinden wird. Die Frage ist aber, ob die Schweiz eine Vorreiterrolle haben wird oder von anderen Ländern mitgezogen werden muss. Die Nutzung von Biomasse für energetische Zwecke hat schon lange Tradition (insbesondere die Verbrennung von Holz oder Abfällen). Ich bin überzeugt, dass Biomasse auch eine Energie der Zukunft sein wird, insbesondere sehe ich grosses Potenzial im Gassektor. Zudem kann die sorgfältige Nutzung von heimischen Bioressourcen für Energie, neben dem rein energetischen Nutzen, auch andere Vorteile mit sich bringen (wirtschaftliche Aspekte, Klimaschutz, etc).

Wie gestaltest du deine “Work-Life-Balance”?
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für mich als junge Mutter besonders wichtig. Ich bin sehr glücklich in einem reduzierten Arbeitspensum arbeiten zu können – so habe ich mein Gleichgewicht gefunden. Wenn ich im Büro bin, gehe ich mit dem ganzen Kopf an die Arbeit ran. Umgekehrt, wenn ich nach Hause gehe, bemühe ich mich die Arbeit dort zu lassen wo sie hingehört. Schade gibt es in dieser Branche nur sehr wenige Stellen mit alternativen (nicht Vollzeit) Arbeitszeitmodellen.

Was möchtest du jungen Wissenschaftlern und Berufseinsteigern mit auf den Weg geben?
Haben sie keine Angst einen nicht-linearen Berufsweg zu wählen. Lebensläufe dürfen heute auch ein paar Kurven und Umwege haben – egal ob Wechsel zu oder aus der Privatwirtschaft, Teilpensum, Auslandaufenthalt, etc. Gerade in diesem Bereich ist es wichtig, interdisziplinär zu denken und die Fähigkeit zu haben, Zusammenhänge zu erkennen. Nur wer, ausserhalb gefestigter Muster denken kann, ist in der Lage, Innovationen voranzutreiben.